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Der Paddock steht – ich bin dann mal weg

Mobiles Zaunsystem von RoFlexs mehrfach ausgezeichnet – Ideengeber der Innovation war die Tochter – Inzwischen auf drei Kontinenten

Der Markenname ist erfunden und sollte nur zwei Bedingungen erfüllen: Leicht verständlich, international einsetzbar. Eine Erfindung ist auch das Produkt: RoFlexs – der mobile Zaun, interessant für Pferdebesitzer, die im Turniersport aktiv sind oder für Wanderreiter. Erdacht und produziert von Torsten Menzel, einem Radio- und Fernsehtechniker aus Salzwedel in Sachsen-Anhalt, der die drei RoFlexs-Systeme nun auch in Europa, Süd Afrika und in den USA erfolgreich verkauft, der Vertriebsweg nach Australien wird gerade beschritten. Wer aber ist der Mensch hinter dieser Idee und wie kam es dazu? 

Der Ideengeber kommt aus der Familie, Torsten Menzel erzählt: „ Ich war im Juli 2005 einige Tage gesundheitlich angeschlagen und meine damals achtjährige Tochter Jennifer wollte mir helfen und allein den Anweidezaun abbauen. Sie wickelte die 200 Meter Band wieder auf die Rolle, was bekanntermaßen auch Erwachsenen schwer fällt. Mit der Zaunbandrolle unterm Arm ging’s nun von der Weide zur Gartentür, die sich nur schwer öffnen lässt. Dabei rutschte ihr das Band von der Rolle und verschluderte sich prompt. Was macht ein achtjähriges Mädchen mit solch einem Problem, wenn kein Erwachsener in Sicht ist? Sie legt es zur Seite und entfernt sich unauffällig.“

Wenige Tage später entdeckte Torsten Menzel das komplett verhedderte Zaunband. Dem ersten Ärger folgte die Frage: „Gibt es ein Zaunbandsystem, das ein solches Unglück verhindern hilft, nach dem Motto  „nehmen -aufstellen - Band herausziehen – fertig“. Auch der Abbau sollte selbstwickelnd und zeitsparend sein. „Sowas muss es doch zu kaufen geben, dachte ich.“
Die Idee ließ Menzel nicht mehr los, doch eine erste Recherche nach möglichen Herstellern mit der Internet-Suchmaschine verlief zunächst erfolglos im Sande. Tage später landete Menzel bei der weiteren Websuche auf der Homepage des Deutschen Marken- und Patentamtes  – mit seinen Suchbegriffen stieß der Familienvater auf 3.500 möglicherweise relevante Patente. „Zehn Minuten dauerte der Aufbau der ersten Patentschrift, wir hatten damals nur ein 56 k – Modem. Da verlor ich die Geduld!“ Er ließ nicht locker und rief direkt im Patentamt in München an. Dort wusste man Rat für eine griffigere Suche nach einem einschlägigen Patent der von Menzel gewünschten Art. Es gab fünf Treffer, das erste Patent galt dem heute auf Flughäfen verwendeten Spannbändern, die zur Wegführung bei der Gepäckkontrolle oder Ticketabfertigung verwendet werden. Auch die anderen vier Patente trafen nicht den von Menzel gedachten Verwendungszweck.

„In diesem Augenblick bekam ich eine Gänsehaut, schaltete den Rechner aus. Bin ich ein Erfinder, fragte ich mich.“

Menzel beantwortete die selbst gestellte Frage mit „Nein“, doch sein Ehrgeiz war trotzdem geweckt. Die Wirtschaftspolitik in seinem Bundesland tat ein Übriges. „Ich wollte eigentlich kein Patent anmelden, aber in Sachsen-Anhalt gab es dafür seinerzeit bis zu 75 Prozent Förderung“. Menzel baute an einem Samstagnachmittag den Ur-RoFlexs, einen Zaunpfahl aus Holz, dessen Inneres alle Elemente enthielt, die seine Idee umsetzbar und plausibel machten: Zaunband, Federmechanismus, Fußteil.

„Damit zog ich zum anschließend vereinbarten Termin, aufgeregt wie ein kleiner Junge mit Entdeckergeist, zum Erfinderzentrum Sachsen-Anhalt (ESA) in Magdeburg. Zehn Tage später kam der Anruf der ESA. Die Idee sei nicht nur Klasse, sondern auch förderfähig, lautete die ersehnte aber zugleich überraschende Botschaft. Noch am selben Abend kam es auch zur Namensgebung des künftigen Produktes, die Menzel gemeinsam mit seiner Frau Nicole ausheckte: Als Rollenflexstab war das Produkt angemeldet, als griffige Abkürzung ergab sich „Ro flex s“, im Englischen ließ sich das Produkt als „roll flex staff“. Auch hier brachte die Websuchmaschine wieder Sicherheit – den Namen gab es weltweit nicht als Domain.

„Noch in derselben Nacht meldete ich die Seite www.roflexs.com an, nun war alles komplett: Die Idee, das Patent, der Name.“

Doch wie sollte es weitergehen, wollte Menzel auch selbst produzieren? Oder sollte man das Patent zu einem späteren Zeitpunkt einfach verkaufen? Nein, entschied das Ehepaar Menzel einige Wochen später, denn ihre Idee war längst auch eine Herzensangelegenheit geworden. Menzel fuhr wieder nach Magdeburg, den Holz-RoFlexs im Auto und stellte das Modell im zuständigen Ministerium vor. Es folgte, was Menzel seither permanent begleitet: Begeisterte Zustimmung und Unterstützung für das Produkt „Made in Germany“.
Im Januar 2006 wurde die Firma RoFlexs gegründet, es folgte eine einjährige Phase der Weiterentwicklung und des Werkzeugbaus, der Vertriebsstart war für 2007 geplant. 
Das ist auch das Jahr der weltweit größten Pferdesportmessse EQUITANA, die im zweijährigen Rhythmus stattfindet. Menzel wollte sein Produkt dort vorstellen, doch für die Anmeldung zum EQUITANA-Innovationspreis fehlte Menzel die Zeit. "Das Formular war in der Schublade verschwunden. Es war mir wichtiger, mit einem einwandfreien Produkt zur weltgrößten Pferdemesse zu reisen, als sich für die Preisverleihung anzumelden, bei der ich als Neuling ohnehin meinte, keine Chance zu haben.“  

Doch der Erfinder und Produzent hatte die Rechnung ohne die Jury gemacht, deren Mitglieder sich das Produkt inkognito an seinem Stand anschauten und sich beraten ließen. Der letzte schließlich, Bruno Podlech, gab sich Menzel gegenüber zu erkennen. Man wollte diese Innovation trotz der fehlenden Anmeldung auszeichnen, für Podlech auch eine Frage der Glaubwürdigkeit des Wettbewerbes. Die Lösung: Das RoFlexs-System wurde mit dem „Innovations-Entdeckerpreis“ ausgezeichnet, auch eine Innovation der EQUITANA, die den Sonderpreis erstmals vergab.

Nun erreichte das innovative Produkt eine enorme Beschleunigung. Nicht nur vom Start weg vertrieblich ein Erfolg, fand sich Menzel in den Folgemonaten immer wieder auch als Redner auf Podien wieder, „dabei ist es gar nicht mein Ding, vor Hunderten von Menschen zu reden,“ erklärt er bescheiden.

Aber Menzel musste, denn Anfang Oktober wurde er in Magdeburg als Existenzgründer des Jahres von 2007 ausgezeichnet und vier Wochen später erhielt den 1. Preis als „Gesamtdeutscher Erfinder des Jahres 2007“ in Nürnberg.

Nach dem ersten Preis im Signo-Erfinderwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums, erhielt das RoFlexs-System am 30.10.2010 nun auch internationale Anerkennung. Auf der Nürnberger Erfindermesse konnte sich das mobile Zaunsystem gegen 700 Konkurrenten aus insgesamt 37 Staaten durchsetzen. 

Der Familienmensch Torsten Menzel, der sich besonders auch über die Teilnahme seiner Eltern an der Nürnberger Preisverleihung freute, steht nun einem Familienbetrieb vor, der mit wenigen Mitarbeitern zeigt, wie man effektiv eine Neuproduktion führt und sich internationale Vertriebswege erschließt. So reiste er inzwischen auf die arabische Halbinsel und in die USA, um sein Produkt vorzustellen, hat europäische Partner von Nord bis Süd, von der Schweiz bis Schweden. „Das Missgeschick meiner Tochter hat der ganzen Idee Vorschub geleistet. Wer weiß, was heute wäre, wenn sie die Zaunbandrolle nicht hätte liegen lassen?“

 

Salzwedel, im Dezember 2010